Grundlagen der Fotografie - Teil 1

Blende, Brennweite, Weitwinkel, Tele, ISO, Belichtungszeit usw. Was bedeuten diese Begriffe und wie wirken diese Parameter auf das Bild aus? Für Neulinge in der Fotografie sind diese Begriffe zwar anfangs verwirrend und sie brauchen Zeit, bis sie sich verinnerlicht haben. Mit einfachen Beispiele möchte ich versuchen zu erklären, welche Auswirkungen diese Parameter haben.

Weitwinkel, Normalbrennweite und Tele

Diese drei Begriffe, die der Fotograf sich oft auseinandersetzen muss. Welches Motiv mit welcher Brennweitenbereich? Diese gehört zu der Gestaltung eines gesamten Bildes. Die Wahl der richtigen Brennweite kann sehr stark auf die Aussage des Bildes auswirken.

Normalbrennweite

Der Begriff Normalbrennweite besagt, dass die Brennweite so auswirkt, dass es der Sichtweise des menschlichen Auges entspricht.

Beispiel: Wir sehen ein Gegenstand mit einem Abstand und möchten das fotografiere. Man nimmt die Kamera und stellt die Brennweite so ein, dass das Motiv im Sucherbild (oder auf dem Kameradisplay) genauso groß abgebildet wird, wie man mit dem eigenen Auge ansieht.

Es gibt aber die Frage: Welche Brennweite ist denn die Normalbrennweite?

Das ist aber systemabhängig: Mittelformat, Kleinbild, APS-C und FourThirds (FT). Hier eine kleine Auflistung der Systeme, welche Brennweite die Normalbrennweite ist:

  • Mittelformat, z.B. Hasselblad, Mamya
    80 mm
     
  • Kleinbildformat (fälschlicherweise auch Vollformat genannt), z.B. Canon 5D, Nikon D700
    50 mm
     
  • APS-C, z.B. Canon 60D, Nikon, D300s
    27 mm
     
  • FourThird (FT) und Micro-FourThirds (mFT) z.B. Olympus E-5 (FT), E-M5 (mFT)
    22 mm
     

Bildwinkel

Ein ganz wichtiger Begriff, den man sich verinnerlicht haben sollte. Damit kann man die unterschiedlichen Kamera-Systeme auseinanderhalten und die Auswirkungen der Brennweite begreifen.

Bild oben: Unterschied des Bildwinkels zwischen den beiden Systemen

Zum Beispiel hat das FourThirds-System eine 2-fache Brennweitenverlängerung gegenüber das Kleinbildformat-System.
Daraus folgert man, dass 150 mm Brennweite beim FourThirds-Format den gleichen Bildwinkel hat, wie die 300 mm Brennweite beim Kleinbild-Format.

Ganz wichtig ist: Brennweite bleibt Brennweite. Wenn zum Beispiel mit einem Objektiv mit 50 mm Brennweite an einer Kleinbild-Format-Kamera 50 mm ist und an einer APS-C-Kamera mit dem Faktor 1,6 einen Bildwinkel hat, der dem 80 mm entspricht, ist die Brennweite auch 50 mm. So wie gesagt, ist die Brennweite System unabhängig. Nur der Bildwinkel ändert sich.

So kann man ausrechnen, wie sich die Brennweite bei den verschiedenen Systemen verhält:

  • Kleinbild-Format, Faktor 1,0:
    50 mm x 1,0 entspricht 50 mm
     
  • APS-C, Faktor 1,6 (bei Canon-Consumer-Modellen):
    50 mm x 1,6 entspricht 80 mm
     
  • APS-C, Faktor 1,5 (bei Nikon-Consumer-Modellen):
    50 mm x 1,5 entspricht 75 mm
     
  • FT und mFT, Faktor 2,0 (bei Olympus und Samsung mFT-Modellen):
    50 mm x 2,0 entspricht 100 mm
     

Wie oben hingewiesen, bleibt mit einem 50 mm Objektiv an den verschiedenen Systemen mit unterschiedlichen Faktoren (umgangssprachlich auch Crop-Faktor) die Brennweite immer 50 mm.

Makro-Aufnahme

Was ist Makro? Über Makro-Aufnahmen sagt man oft, dass kleine Motive Bild füllend dargestellt werden. Oder die meisten sagen fälschlicherweise, dass man mit der Kamera ganz nah ans Motiv herangeht, um das Motiv groß darzustellen.

Das ist aber nicht so mit "Nah-Aufnahmen". Denn je nach Brennweite kann man mit einem Makro-Objektiv mit einer Brennweite von 150 mm das Motiv sogar mit einem Abstand von 1 m Bild füllend aufnehmen.

Bild oben: Beispiel einer Makro-Aufnahme mit FT 50 mm Makro-Objektiv.

Die wichtigste Eigenschaft eines Makro-Objektivs ist der Abbildungs-Maßstab. Meistens haben sie 1:1, 2:1 oder 1:2. Und sie haben eine feste Brennweite.

Der Abbildungs-Maßstab, als Beispiel nehmen wir 1:1, bedeutet, dass das Motiv mit einer Größe von 2cm auf dem Aufnahme-Chip auch 2cm groß dargestellt wird. Bei 2:1 wird es 4 cm und 1:2 1 cm. Die Brennweite beeinflusst den Abbilungsmaßstab nicht, sondern nur den Bildwinkel und Aufnahme-Abstand. Im Allgemeinen sagt man, dass mehr Brennweite mehr Abstand zum Motiv hat. Allerdings verdichtet sich die Bild-Ebenen. Der Vorteil ist mehr der Abstand zum scheuen Motiv (Flucht-Distanz).

Durch den genauen Abbildungs-Maßstab ist das Verhalten der Schärfentiefe bei Blenden-Werten anders als bei normalen Aufnahmen. Die Schärfe-Ebene ist dann nur noch wenige mm. Das heißt, man muss mehr abblenden. Allerdings steigt die Gefahr bei zu starkem Abblenden von mehr als f16 einer Beugungsunschärfe.

Um mehr Schärfe-Bereich zu erzielen, gibt es ein Stacking-Verfahren. Eine Aufnahme-Technik, die nur bei stillen Motiven und mit Stativ zu machen ist. Dazu braucht man am Ende eine spezielle Software, die die Bilder am Ende zusammenrechnet. Das Ergebnis ist ein Bild, bei dem man das Motiv eine Schärfe von vorne bis hinten hat und dennoch eine Freistellung erhält.

Folgende Regel sind zu beherzigen, um perfekte Makros zu bekommen:

  • Stabiles Stativ
    Denn Makro-Aufnahmen erfordert besondere Sorgfalt. Einfach so im Vorbeigehen ein Motiv zu fotografieren geht nicht. Denn wenn man ganz nah rangeht, ist die Schärfe-Ebene nur sehr wenige mm dünn. Man schwankt bei der Aufnahme sich selbst von vorne und nach hinten, der Schärfepunkt sitzt nicht mehr, wo es sein soll. Darum ist Stativ erforderlich.
    Zum Stativ ist noch eins zu sagen: Kauf kein billiges! Gute kosten nun mal 200 bis 300 Euro oder mehr. An dem Spruch "Wer billig kauft, kauft zwei mal" ist was Wahres dran. Denn billige Stative wackeln und verstellen sich.
     
  • Geduld
    Schnell mal die Aufnahme machen, das geht schief! Makro-Objektive haben ein langsameres langsameres Fokus. Man dreht mehr am Fokusring. Hinzu kommt, dass wenn man draußen fotografiert, immer mit Wind zu rechnen ist. Da ist man schnell mit der Geduld am Ende.
     
  • Wind und Wetter
    Wind ist ein unliebsamer Begleiter eines Makro-Fotografen. Wenn draußen windig ist, gar nicht mehr losgehen. Oder man nimmt einen Windschutz-Zelt.
    Windstille bekommt man meist in den frühen Morgenstunden vor dem Sonnen-Aufgang. Das heißt: früh aufstehen. Aber bevor man am nächsten Morgen früh aus den Federn will, lohnt es sich, die Wettervorhersage anzusehen.
    Und eins haben die frühen Morgenstunden einen ganz wichtigen Vorteil: Kältestarre bei den Insekten. Die bleiben ganz still und sind regeungslos. Die bewegen sich erst bei den ersten Sonnenstrahlen. Daher ganz wichtig, vor dem Sonnenaufgang anzufangen.
     
  • Fernauslöser und Spiegelvorauslösung
    Um gute Makros zu erzielen, sind die Spiegelauslösung und Fernbedienung sehr zu empfehlen. Bei einem 150mm Makroobjektiv und bei wenig Licht in den Morgenstunden (da man lange Belichtungszeiten hat) wird die Kamera durch den Spiegelschlag (bei Spiegellosen der Verschluss) leicht erschüttert. Dann sind die Aufnahmen nicht mehr so scharf.
     

Beugungsunschärfe

Über den Begriff Beugungsunschärfe sollte man Bescheid wissen. Die Beugungsunschärfe (fachsprachlich auch Diffraktion genannt) entsteht, wenn man zu stark abblendet, zum Beispiel Blende f22.

Bild oben: Unterschiede bei verschiedenen Blenden-Werte. Ganz rechts ist im Bild oben deutlich die leichte Unschärfe zu sehen.

Je nach System und Pixeldichte auf dem Aufnahme-Chip (zum Beispiel bei einer Kompakten mit 16 Megapixel - da sind der Chip sehr viel kleiner) tritt die Beugungsunschärfe früher oder später auf. Daher haben die meisten digitale Objektive die kleinste Blede f22. Noch kleiner hat keinen Sinn mehr, da nicht schärfer sondern zunehmen unschärfer wird.

Anfänger würden glauben, wegen der größten Schärfentiefe die Blende ganz zu machen (maximaler Blendenwert) um von vorne bis hinten scharf zu bekommen. Die Schärfentiefe wächst zwar, aber die Gesamtschärfe nimmt ab. Je nach Objektiv, Pixeldichte und System gibt es einen Blendenwert mit der größten Schärfe. Welche das ist, kann man durch eigene Erfahrung oder durch Erfahrungs-Berichte in den Foto-Foren herausfinden.

22. September 2013